Wandern an der Algarve

Geschichte Sagres

Geschichte Sagres

Sagres ist einer der Orte Portugals, der nicht nur in Portugal große Bedeutung erlangt hat. Dies begründet sich in seiner besonderen geografischen Lage und im Wesentlichen durch seine Geschichte.

Steilküste am Cabo de sao Vicente

Steilküste am Cabo de sao Vicente

In der Gegend um Sagres befand sich Jahrhunderte lang ein berühmtes Heiligtum, ein Umstand, der für die Namensgebung verantwortlich war. Die religiöse Bedeutung des Kaps bleibt bis ins Mittelalter bestehen. Des Weiteren war es ein unvermeidbarer Anlaufpunkt für den Schiffsverkehr der damaligen Zeit. Auch wäre über Seeschlachten zu berichten, die seit dem 14. Jh. bis 1833 in der Nähe des Kaps ausgetragen wurden. Doch möchte ich mich auf das Essentielle beschränken.

Hünenstein nahe Sagres

Im äußersten Südwesten der Algarve finden sich Spuren einer urgeschichtlichen Bevölkerung aus der Zeit des Mesolithikums und Neolithikums. Unter den archäologischen Funden, die diese These stützen, sind Porzellanreste in der Nähe von Sagres und zahlreiche Hünensteine, die man in der Gegend von "Vila do Bispo“ gefunden hat. Hervorzuheben ist, daß die gefundenen Hünensteine, heilige Grabstätten der Neolithiker, die sich ungefähr auf das dritte Jahrtausend vor Christi zurückdatieren lassen, auf die Existenz einer heiligen Stätte an diesem Ort schließen lassen. Man findet in der Umgebung übrigens keinen ähnlichen Gesteinstyp wie den der Hünensteine.

Die erste schriftliche Erwähnung der Umgebung von Sagres findet sich im "Ora Maritima", das ca. 350 nach Christi verfasst wurde. Es ist deshalb das älteste Zeugnis, weil der Verfasser sich auf eine antike Reisebeschreibung einer im letzten Viertel des 6. Jh. vor Christi unternommenen Schiffsreise stützt. Bei diesem Werk handelt es sich um das älteste Schriftstück, daß sich auf Portugal bezieht.

Das alte Dokument berichtet vom Gebiet um Sao Vincent und führt aus: "Es folgt ein Gebirgszug, der durch seine Saturn geweihten Felsklippen einen bedrohlichen Eindruck macht". Es muß betont werden, daß bereits bei dieser ersten Erwähnung von Sagres den heiligen Charakter hervorhebt. Der als Saturn geweihten Göttlichkeit könnte "Kronus" oder einer der phönizischen Götter z.B. "El" oder "Ball Hammon" entsprochen haben.

Von anderen Schriften erfahren wir, von heiligen Trinkzeremonien mit Wasser, indem die Besucher, die sich in der Nähe befindlichen Felsgruppierung umrundeten. Zu jener Zeit herrschte dort Wassermangel. Die Besucher mußten das Wasser mitbringen. An dem Ort, wo sie ihre Kulthandlung vollzogen blieben sie nicht lange, weil er Treffpunkt der Götter war. Interessant ist, daß zu jener Zeit in "Cadiz" die gleichen Götter angebetet wurden wie in Sagres. Die Saturn, Herkules oder anderen Gottheiten weisen auf den sakralen Ursprung der Namensgebung für diese Region hin.

Der Name Sagres leitet sich ab vom lateinischen Wort "Sacris". Während des römischen Zeitalters wurde die Region als "Sacrum Promotorium" bezeichnet, was heiliger Gebirgszug bedeutet. Die Vorstellung eines sakralen Kaps Sao Vicente wurde aus heidnischer Zeit in die christliche überliefert, denn auch für die Christen behielt der Ort seinen heiligen Charakter. Es wurde in Folge der heilige Sao Vicente verehrt, dessen Name für das heutige Sagres steht. Der christlichen Heiligengeschichte nach handelt es sich bei dem heiligen Sao Vicente um einen Diakon, der im Jahre 304 bei der Christenverfolgung zum Märtyrer wurde.

In der Mitte des 12. Jh. verwies ein islamischer Geograf auf den Umstand, daß Andalusien an der Kirche von "Corvo" (in der Nähe von Sagres) am Ozean beginne. In seinen Aufzeichnungen kann man folgendes lesen: Diese Kirche bleibt seit römischen Zeiten unverändert. Sie wird von den wertvollen Geschenken der Christen, die hierhin auf Pilgerfahrt kommen, unterstützt. Außerdem besitzt sie Ländereien zu ihrem Unterhalt. Sie liegt auf einen Felsen, der bis ins Meer reicht.

Auf der Kirche verweilen ohne Unterlaß 10 Raben. Bisher konnte niemand beobachten, daß diese sich einmal von der Stelle bewegt oder den Platz verlassen hätten. Die Priester dieser Kirche erzählen wundersame Geschichten von diesen Raben, die denjenigen, der die Geschichte weitererzählen würde, der Gefahr der Lächerlichkeit aussetzen würde. Alle Besucher werden genötigt das Gastmahl einzunehmen, das man hier anzubieten pflegt. Es handelt sich um eine starke Verpflichtung und um einen die Zeit überdauernden Brauch, der sich aus alten Zeiten bis auf den heutigen Tag erhalten hat.

Die Kirche und ihre anliegenden Gebäude werden von den Priestern und Mönchen unterhalten. Sie besitzt beträchtliche Schätze und verfügt über reichliche Einkünfte, die zum großen Teil aus Besitzungen und Gütern von Siedlungen und Land aus dem Algarve fließen. Sie werden für kirchliche Zwecke verwendet und dienen aber auch dem Unterhalt der Personen, die in ihrem Dienst stehen. Darüber hinaus gewähren diese Einkünfte den Unterhalt der Reisenden und Pilger, die diesen Ort in großer und kleiner Zahl besuchen.

Das Wappen von Sagres

Das Wappen von Sagres

Wie man dieser Beschreibung entnehmen kann, war der Ruf und der Reichtum der Kirche von "Corvo" bedeutend. Ein anderer arabischer Autor beschreibt sie auf folgende Weise:

Es gibt einen Berg an der Küste über dem dunklen Meer. Auf der Spitze dieses Berges, eingelassen in eine der Felsen gegrabene Öffnung, erhebt sich ein großes Gebäude in Form einer Kuppel. Über diesem Gebäude sieht man einen Raben flattern, der sich niemals von dort entfernt. Gegenüber der Kuppel gibt es eine Moschee, deren mohammedanischen Besucher davon überzeugt sind, daß man ihre Gebete von hier aus besser vernehmen kann. Die Leute dieser Kirche sind verpflichtet, den Mohammedanern, die die Moschee besuchen, eine Mahlzeit zu servieren. Sobald aber ein Pilger in die Kirche tritt, streckt der Rabe den Kopf ins Innere und stößt der Anzahl der islamischen Pilger entsprechend Schreie aus. Wenn es ein Pilger ist, krächzt er nur einmal, sind es zwei, dann zweimal, bei zehnen zehn Mal. Dabei irrt er sich nie. Und alsbald erscheinen die Männer der Kirche, um ihnen die Mahlzeit zu reichen. Die Menge des von ihnen herbeigebrachten Essens entspricht dabei ganz genau der Anzahl der Pilger; sie bringen weder weniger noch mehr. Sie zählen allerdings auch die Priester, die den Raben niemals zeigen, und die aber auch nicht wissen, wo dieser frisst und trinkt.

Es ist leicht, anhand dieser Beschreibung zu erkennen, daß das Kap Sao Vincente unter islamischer Herrschaft ein äußerst bedeutender Ort für mozarabische Pilgerfahrten gewesen sein muß und zu einer gewissen Zeit scheinbar auch islamischen Pilgern als Heiligtum diente. 1147 eroberte Don Alfonso Henrique das Gebiet von den Mauren zurück und dabei ist wohl die Kirche zerstört worden.

Zwischen 1189 und dem 15. Jh. fehlen dann neue Hinweise auf Sagres. Die Kirche muß in der Zwischenzeit wieder aufgebaut worden sein wie man aus einem Brief entnehmen kann den Don Dinis an Don Alfonso III. schrieb. Gleichzeitig empfahl er dem Bischof von Silves, sich um die Kapelle als Zentrum der Pilgerfahrten zu kümmern.

Die Gebäude, die dort während des 13. und 14. Jh. zu finden waren, haben sich wahrscheinlich in sehr schlechtem Zustand befunden. So erklärt sich die Bitte Don Duartes an den Papst Eugen IV. vom 4. Oktober 1434, ein Franziskanerkloster mit angeschlossenen Krankenhaus in der Nähe des Kap Sao Vincente errichten zu dürfen. Diese Bitte verfolgte das Ziel, eine Unterkunft für die Pilger zu schaffen, die dorthin kamen, und darüber hinaus die Franziskaner in ihren verschiedenen religiösen Aufgaben zu unterstützen, zu denen in erster Linie die Bestattungen der an diesem Ort verstorbenen gehörte. 

Später sollte sich Prinz Heinrich der Seefahrer dieser Aufgabe annehmen. Die Notwendigkeit einer solchen Fürsorge erklärt sich aus dem Umstand, daß sehr viele Menschen diesen doch sehr verlassenen und einsamen Ort besuchten, der sich fern von jeglicher anderen menschlichen Ansiedlung befand. Der Bitte wurde stattgegeben und die Franziskaner ließen sich dort nieder.

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Für die folgenden Jahre des 15. Jh. gibt es dann kaum noch Hinweise auf Sao Vicente, außer einem Schriftstück aus dem Jahre 1459, in dem Prinz Heinrich die Wallfahrtsstätte in den Pfarrbezirk seiner Stadt (Sagres) eingegliedert hat.

Bereits 1443 wurde Prinz Heinrich der Seefahrer das Gebiet des südwestlichsten Europas überschrieben und er ließ Sagres erbauen. Er wußte um diesen strategisch wichtigen Punkt. Mit dem Beginn des Seehandel Verkehrs und den Entdeckungsfahrten wurde Sagres zu einem äußerst wichtigen Anlaufpunkt für alle Schiffe. Die Besiedelung dieser rauen Region erwies sich als schwierig. So wurden Verbannte und Sträflinge gegen Zusicherung von Straffreiheit dort angesiedelt.

Nach seinem Tot 1460 zerfiel Sagres nach und nach. Die Bevölkerung nahm ab bis schließlich kaum jemand mehr dort Wohnte. 1461 gewährte der König den Einwohnern der Stadt Steuererleichterungen. Die Herrschaft über Sagres wechselte in den folgenden Jahren mehrfach.

Bild Natur Sagres

Blick auf die Festungsanlage von Sagres

Durch vereinzelte Dokumente des 15. und Beginn des 16. Jahrhunderts läßt sich feststellen, daß die Hauptaktivitäten der Einwohner von Sagres sich auf den Fischfang und die Keramikindustrie bezogen. Daneben gab es eine noch nicht sehr gewinnbringende Landwirtschaft trotz fruchtbarer Böden.

Seit dem 15. Jh. war die Gegend von Sagres ständig Angriffen von Piraten verschiedener Länder ausgesetzt. In dem umliegenden Küstengebiet hatten sie eine gute Ausgangsbasis, um vorbeifahrende Schiffe anzugreifen. Sagres war eine gefährliche Gegend, wo man auf die Schiffsbewegung feindlicher Schiffe achten mußte. Aus diesem Grund hatte Sagres wohl nie viele Einwohner. In einem Dokument von 1499 erklärt Rodrigo Anes, der damalige Befehlshaber, daß er sich mit nur zwei Reitern und fünf Fußsoldaten der Überfälle von Mauren und Franzosen erwehren mußte.

Einem Untersuchungsbericht von 1524 zur folge lebte niemand mehr in Sagres. Um 1550 hatte sich die Situation nicht geändert.

Bild Natur am Cabo sao Vicente

Natur am Cabo sao Vicente

Zu Beginn des 16. Jh. zeigte der Bischof von Silves ein gesteigertes Interesse für Sao Vicente. Er ließ eine Stadtmauer anlegen, ein Konvent, Unterkünfte und auch einen Leuchtturm bauen. Das Konvent war in dieser Zeit den Mönchen des Ordens von "Hyronimus" unterstellt, die aber nur bis 1516 dort blieben und 1519 durch die Ordensleute vom "Santa Maria de Piedade" ersetzt wurden. Später, vielleicht zur Zeit des Königs Sao Sebastiao 1573, zog in die Festung neues Leben ein, denn er ließ Einrichtungen für seinen dortigen Aufenthalt bauen.

Der englische Korsar Sir Francis Drake zerstörte im Mai 1587 große Teile der Befestigungsanlagen, die sich zwischen dem Kap und Balieira befanden. Darks Geschwader hatte vorher verschiedene Schiffe zerstört, die sich im Hafen von Cadiz befanden. Diese Schiffe sollten nach Lissabon auslaufen um sich der großen Armada anzuschließen, mit der Philip II. von Spanien die Invasion Englands plante. Danach griff Draks Flotte alle Schiffe an der Algarveküste an und zerstörte auch die für den Tunfischfang ausgerüsteten Fischerboote. Dies alles mit dem Ziel, die Versorgung der großen Armada möglichst zu erschweren, was dann teilweise auch gelang.

Portrait von Sr Francis Drake

Portrait von Sr Francis Drake

Um die Kontrolle über die Seefahrt am Kap Sao Vicente zu erhalten, wollte Drake die Festung Sagres einnehmen, nachdem es ihm nicht gelungen war Lagos zu erobern. Nach englischen Quellen gingen 800 englische Soldaten an Land und es folgte ein wilder zweistündiger Schußwechsel. Schließlich ergaben sich die 110 Männer der Garnison, nachdem ihr Kommandant schwer verletzt worden war. Die Festung wurde geplündert und die 8 Kanonen mitgenommen. Mit den Festungen von Balieira, Beliche und Sao Vicente verfuhr Drake ebenso. Nach diesen Unternehmungen segelte er weiter nach Lissabon.

Anfang des 17. Jh. waren die Stadt und die Festungen zum Teil wieder aufgebaut. Die weiteren Bauarbeiten zogen sich, bedingt durch Geldmangel und andere Gründe hin und wurden bis ins 18. Jh. nicht abgeschlossen.

Das Erdbeben 1755 hat dem Gebiet mit seinen Bauwerken sehr geschädigt. Von den 180 Einwohnern ist keiner ums Leben gekommen. 1793 erst waren die nötigsten Ausbesserungsarbeiten abgeschlossen. 1833 wurde zu Ehren von Heinrich dem Seefahrer ein Denkmal errichtet. 1846 wurde der Konvent wieder errichtet. Der Leuchtturm stammt von 1904.

Bild vom Cabo de sao Vicente heute

Das Cabo de sao Vicente heute

Um 1850 gab es eine Zeitschrift, die zahlreiche Beiträge über Sagres und Kap Sao Vicente veröffentlichte. Bei der breiten Leserschaft führte dies zu einem gesteigerten Interesse für die Plätze, die inzwischen ihre frühere Bedeutung als strategisch wichtige Orte und als religiöse Kultstätten verloren hatten. Als Folge dieser neu gewonnenen Publizität besuchten immer Menschen die Festungsanlagen. Man kann sagen, daß das Zeitalter des Tourismus für Sagres angebrochen war.

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